Barock Pferde

Eine alte Reitweise wiederentdeckt

Eine wachsende Schar von Pferdeliebhabern entdeckt die Reitkunst und die Pferderassen der Barockzeit wieder. Das ist in meinen Augen eine wunderschöne Entwicklung, denn zeitweilig schien es so als ob das Wissen um diese Reitweise und die dazu gehörenden Barock-Pferderassen fast vom Aussterben bedroht waren.

Nur an wenigen Stellen in Europa wurde noch die barocke Reitkunst gepflegt, so zum Beispiel in der Spanischen Hofreitschule in Wien.

Andalusier-Hengst präsentiert sich in einer Barocken DressurDas hat sich zum Glück jetzt geändert. Der Anblick von barocken Pferden, die schön herausgeputzt und mit eleganten Reitern und Reiterinnen vorgestellt werden, erfreut einfach jeden. Und die typischen Figuren und Übungen die zu dieser Reitweise gehören, machen den Pferden ganz offensichtlich Spaß.

Bei Vorführungen im Barockreiten sieht man viele Hengste, die es regelrecht genießen, sich möglichst noch vor Publikum präsentieren zu können und dabei wirklich "alle Register" ziehen, um Menschen und vielleicht auch andere Pferde? zu beeindrucken.

Alle Bewegungen, Kunststücke und Manöver die in der barocken Dressur gezeigt werden, entstammen dem natürlichen Bewegunsrepertoire des Pferdes. Trotzdem erfordert es eine lange Ausbildung und viel Einfühlungsvermögen um den Pferden beizubringen, diese Bewegungsabläufe auf Kommando und in einer sauberen Form abzurufen.

Ohne Zweifel gibt es alte Rassen, deren Zuchtwurzeln bis in die Barockzeit und wahrscheinlich noch weiter zurückreichen, denen mittlerweile ein gewisses Talent für die entsprechenden Bewegungsmuster angezüchtet wurde. Genauso wie es für andere Sparten der Reiterei besonders geeignete Pferde gibt trifft das auch für das barocke Dressurreiten zu.

Barock-Pferde-Rassen

Iberische Halbinsel:

  • Andalusier
  • Lusitano

Diese Pferderassen von der iberischen Halbinsel haben sich durch die Jahrhunderte noch sehr stark das Exterieur und die Bewegungsabläufe der Barock-Reitweise bewahrt. In Spanien und Portugal wurde in ununterbrochener Tradition noch eine Reitkunst gepflegt, die der barocken Dressur sehr ähnelt, weshalb sich diese schönen Pferderassen so erhalten haben.

Die barocke Zeit kannte eine Vorliebe für runde, geschwungene und üppige Formen, die dabei trotzdem leicht und verpielt sind. Und so sollten auch perfekte Barockpferde aussehen. Der Andalusier kommt diesem Ideal sehr nahe. Und da es sich um eine sehr alte Rasse handelt, haben diese spanischen Pferde bereits vor Jahrhunderten ihre Spuren in vielen anderen europäischen und sogar amerikanischen Pferderassen hinterlassen.

Die Vorfahren der Andalusier, die in der Barockzeit so sehr beliebt waren wurden zur Veredelung vieler anderer Rassen genommen, oder begründeten sogar andere Pferderassen in mehr nördlichen Teilen Europas, wie zum Beispiel den Knapstrupper. Die spanischen Einwanderer brachten ihre Pferde mit nach Amerika und deshalb ist es kein Wunder, das in vielen Quarters, Appaloosas und Paints altes spanisches Blut fließt.

Andalusier und Friese, im Hintergrund auch Norweger bei einer Barock-Pferde-Schau

Besondere Pferde-Farben: Schecken, Falben, Isabellen

In der Barockzeit hatte man eine Vorliebe für bunte, auffällige Fellfarben. Auffälligkeit und Extravaganz war sehr wichtig, auch beim Pferd. Ein Pferd mit einer besonderen Fellfarbe war ein Blickfang und betonte den Stil und den Geschmack seines Besitzers. Deshalb gab es viele Schecken und Tigerschecken in allen Variationen, Falben mit einem schönen Kontrast von der goldfarbenen Grundfarbe zum schwarzen Behang, es gab Füchse und Isabellen mit hellen Mähnen, Graufalben und Rotfalben.

Alle diese bunten Farben sind in späteren Jahrhunderten bei vielen Pferderassen fast ausgestorben oder sogar völlig verschwunden. Die Ursache dafür ist sicherlich in einer veränderten Kriegsführung zu suchen. Die Verwendung von Massenheeren und die anwachsende taktische Bedeutung von Feuerwaffen brachte nicht nur eine Uniformierung der Menschen, sondern auch eine Uniformierung der Pferde. In einer Kavallerie-Formation gibt ein auffällig gefärbtes Pferd die beste Zielscheibe ab. Aus diesem Grund wollte man unauffällig und gleichartig gefärbte Pferde. Deshalb finden wir noch heute bei solchen Pferderassen, deren Vorfahren verstärkt im militärischen Einsatz waren ein deutliches Vorherrschen der einfachen Farben wie Braune, Dunkelbraune, Füchse und Rappen.

Weitere Barock-Pferde-Rassen:

Mitteleuropa

  • Lippizaner
  • Kladruber
  • Nonius
  • Noriker/Pinzgauer

Von diesen vier Rassen ist sicher der Lippizaner am besten geeignet. Die Spanische Hofreitschule in Wien arbeitet vorrangig mit Lippizanern und diese Rasse ist für das Barock-Reiten optimiert. Der Kladruber ist eher ein imposanter barocker Karossier, das heißt ein Wagenpferd, dasselbe dürfte für den Nonius zutreffen. Obwohl beide Rassen, vor allem die etwas kleineren Vertreter, auch gute Reitpferde abgeben.

Grundsätzlich sollte ein Barock-Pferd über eine hohe Agilität und Beweglichkeit verfügen und deshalb nicht zu groß sein. Gerade beim Kladruber kommen aber aber wahre Riesen vor, Pferde mit über 1,80 m Stockmaß sind bei dieser mittlerweile seltenen Rasse keine Seltenheit.

Der Noriker (regional auch Pinzgauer gennannt) ist eine kleine Kaltblutrasse, die deutliche Einschläge einer frühen barocken Pferderasse zeigt, was sich hier in der Tigerscheckenfarbe äußert.

Westeuropa

  • Friese
  • Tinker
  • Connemara
  • Highland-Pony
  • Welsh-Cob

Der Friese ist eine schon sehr alte und gut durchgezüchtete Rasse, die direkt aus der Barockzeit stammt und ist deshalb, wenn man einen nicht zu großen und zu schweren Vertreter dieser Rasse vor sich hat, optimal zum barocken Dressurreiten geeignet. Ähnliches gilt für den Tinker. Diese gescheckten Barockpferde erfreuten sich bei Zigeunern großer Beliebtheit. Als die bunte Fellfarbe "aus der Mode" kam, haben die Zigeuner der britischen Inseln sich der Zucht dieser sehr hübschen und gutmütigen Pferde angenommen und sie bis in unsere Tage bewahrt.

Die anderen genannten Rassen, das Connemara, das Highland-Pony und das Welsh-Cob haben deutliche Einschläge alter iberischer Pferderassen. Darauf deuten nicht nur die Falben und Graufalben hin, die bei diesen Rassen vorkommen, sondern auch die manchmal auftretenden barocken Exterieurs, wie leichte Ramsköpfe, lange, runden Kruppen und schön gewölbte Hälse. Solche Rasse-Vertreter bieten sich zum Barock-Reiten an. Auch Größe, Beweglichkeit und Charakter dieser Rassen machen sie als Barock-Pferde geeignet.

Nordeuropa

  • Knabstrupper
  • Frederiksborger
  • Norweger
  • Gotland-Pony

Die genannten Rassen haben alle einen mehr oder weniger starken Blutseinschlag iberischer Pferde, was sichbeim Norweger zum Beispiel in der Falbfarbe äußert. Man findet deshalb unterdiesen RassenVertreter, die durchaus gut für barocke Reitweisen geeignet sind.

Amerika

  • Quarter
  • Paint
  • Appaloosa
  • Mustang
  • Criollo

Alle diese Rassen stammen letztlich von Pferden spanischer Einwanderer ab und wurden erst später dann mehr oder weniger mit anderen Pferderassen vermischt, zum Beispiel dem englischen Vollblut (Quarter) oder auch Kaltblütern (Quarter). Weil die amerikanischen Pferde mehr dem Rinderhüten dienten und dort die Kavallerie nicht eine solche Blüte erlebte wie in Mitteleuropa, wurden auch die bunten Fellfarben nicht aus der Zucht eliminiert sondern haben sich bis heute gehalten.

Beim Quarter der Buckskin und Red Dun sowie alle Roans, die Paints mit ihrer beeindruckenden Scheckung und selbstverständlich die Appaloosas mit ihrem Tüpfelkleid. Auch im Exterieur dieser Rassen sieht man Spuren der alten Barock-Rassen, vor allem beim Paint. Gerade manche Paints zeigen barocke Formen, mit üppig gewelltem Langhaar, schön gewölbtem Hals, leichter Ramsnase und langen Kruppen, sowie den typischen hohen und etwas kurzen Gang. Solche Pferde sind nicht nur in der Western-Arena ein toller Anblick, sondern können auch als Barock-Pferde glänzen.