Stall oder Weide - die richtige Haltungsform

Pferdehaltung

Es gibt verschiede Formen der Pferdehaltung. In der Praxis findet man oft eine Verbindung mehrerer Formen. Grundsätzlich ist für richtige Pferdehaltung wichtig, daß immer für ausreichendes und hochwertiges Futter, für ausreichend Bewegungsmöglichkeiten und für soziale Kontakte mit Artgenossen für das Pferd oder Pony gesorgt sein muß.

Boxenhaltung

Die meisten Reitställe und Pferdehalter halten ihre Tiere in Boxen. Die Größe der Boxen sollte der Größe der Pferde angepaßt sein. Das heißt für große Pferde über 1,60 m Stockmaß ist eine Fläche von 3 x 4 m angemessen, für kleine Ponys reichen auch 2 x 3 m. Die Box sollte hell, sauber und trocken sein. Soziale Kontakte sollten für das Pferd möglich sein, indem es die anderen Pferde nicht nur sehen, sondern mit ihnen auch körperlichen Kontakt aufnehmen kann. Rundherum vergitterte Boxen wie in vielen Reitställen üblich, sind deshalb keine optimale Haltung. Die Haltung in Boxen ermöglicht dem Pferd nicht, sich ausreichend zu bewegen. Es muß deshalb täglich mindestens eine Stunde geritten oder anders gearbeitet werden.

Ständerhaltung

Früher war das die am weitesten verbreitete Haltungsform für Pferde. Sie ist platzsparend, pflegeleicht und bei richtigen Anbindevorrichtungen und stabilen Trennwänden zwischen den Pferden auch sehr sicher. Die Ständer müssen groß genug sein, daß sich das Pferd hinlegen kann. Auch heute wird mancherorts noch Ständerhaltung praktiziert. Gegen diese Haltungsform ist nichts einzuwenden, wenn die Bedingung erfüllt ist, daß das Pferd täglich 8 bis 12 Stunden arbeitet. Dann hat es am Abend sein Pensum erfüllt und ist zufrieden, wenn es sich an seinem Standplatz ausruhen darf. Für Pferde, die den ganzen Tag in der Landwirtschaft, als Kutschpferd oder beim Militär gearbeitet hatten, trifft das zu. Heute werden die meisten Pferde wenn überhaupt einmal täglich und dann nur für eine Stunde bewegt. Das ist viel zu wenig und deshalb ist Ständerhaltung in Verbindung mit zu wenig Bewegung absolut ungeeignet. Wer dennoch sein Pferd im Anbindestall hält, wird damit rechnen müssen daß es neurotisch wird und sich verschiedene Untugenden angewöhnt. Oft kommen auch körperliche Erkrankungen dazu.

 

Dieser junge Schecke genießt die ersten Frühlingstage auf der Koppel

Robusthaltung

Die Haltungsform, bei der die Pferde das ganze Jahr über draußen auf der Koppel sind nennt man Robusthaltung. Es ist selbstverständlich, daß die Pferde die Möglichkeit haben, jederzeit bei Bedarf einen trockenen, sauberen und windgeschützten Stall aufsuchen zu können. Dabei ist unbedingt darauf zu achten, daß auch die rangniederen Tiere Zutritt zum Stall bekommen, der leicht von den ranghöheren "besetzt" und versperrt wird. Es gibt noch andere Schwierigkeiten, die in der Robusthaltung zu bewältigen sind. Zum Beispiel die Frage der Fütterung. Wenn man Rauhfutter gibt wie Heu oder Silage hat man oft das Problem, daß es vom Wind weggeweht wird, daß die Pferde es in den Schmutz treten oder daß sie sich darum streiten. Fütterung von Kraftfutter, wobei jedes Pferd eine bestimmte Futterzusammenstellung und Menge benötigt, ist schwierig. Pferde sind ziemlich futterneidisch und die ranghohen Tiere nehmen sich das Vorrecht, die Unterlegenen zu vertreiben und sich auch deren Portionen einzuverleiben. Abhilfe schaffen hier nur aufwendige fest gebaute Raufen oder besondere Futterstände. Die Lagerung von Futtervorräten und die Anlage von Mistplätzen wirft weitere Probleme in der Robusthaltung auf. Richtig betriebene Robusthaltung ist daher im Gegensaz zu manchen Meinungen die für den Halter aufwendigste Haltungsform. Die Versorgung der Pferde, das Sauberhalten der Ställe und Ausläufe, das Lagern und Herbeischaffen von Futter, das häufige Reparieren und Ausbessern der Anlagen erfordert einen großen Einsatz.

Grundsätzlich ist jede Pferderasse für Robusthaltung geeignet, wenn man dem einzelnen Tier genug Zeit zur Umstellung läßt, die im Sommer erfolgen sollte. Und es muß dafür gesorgt sein, daß es Zutritt zum Stall und immer ausreichend gutes Futter hat. Man sollte auf keinen Fall glauben, daß es sogenannte "Robustrassen" gebe wie Islandponys, Shetland-Ponys, Dänische Ponys oder Norweger, die ohne Stall einfach auf der Weide überwintern können. Das stimmt nicht, auch sie benötigen einen trockenen, sauberen und windgeschützten Stall, den sie jederzeit aufsuchen können. Den einzigen "Vorteil", den solche Robustrassen bieten ist, daß sie normalerweise deutlich weniger Futter benötigen als beispielsweise ein robust gehaltener Trakehner, Araber oder Quarter Horse.

Kombinierte Auslaufhaltung

Bei dieser Haltungsform sind die Pferde nachts in einem Stall und tagsüber in Ausläufen, idealerweise mit Artgenossen zusammen. Diese Haltungsform bietet den Vorteil, daß die Pferde mehr Gelegenheit haben, sich zu bewegen und an der Luft zu sein, sowie soziale Kontakte zu pflegen. Da sie ihre Umgebung beobachten können stumpfen sie nicht ab oder langweilen sich, was bei reiner Boxenhaltung oft der Fall ist. Die Ausläufe oder Paddocks müssen selbstverständlich ausreichend groß sein, stabil eingezäunt sein und einen geeigneten, gepflegten Boden besitzen. Sie müssen mindestens einmal täglich gesäubert und eingeebnet werden. Die Auslaufhaltung ist demzufolge auch recht aufwendig, aber mit Sicherheit eine empfehlenswerte Haltungsform die auch von vielen Reiterhöfen und Zuchtställen praktiziert wird.