Freizeitreiten im Western-Stil
Westernreiten
Das Reiten als Beschäftigung in der Freizeit, das vornehmlich der Entspannung und Erholung dienen soll, macht bestimmte Reitweisen erforderlich die diesen Ansprüchen gerecht werden. Die Westernreitweise ist eine davon und ein Großteil aller Freizeitreiter reitet heute im Westernstil bzw. hat einen persönlichen Reiststil entwickelt, der Elemente der Western-Reitweise enthält. Deshalb soll diese Reitweise hier vorgestellt werden.

Araber im Westernstil geritten
Ideale Eigenschaften für Freizeitreiter
Die wesentlichen Unterschiede der Westernreitweise zur in Deutschland bis ca. 1990 überwiegend ausgeübten herkömmlichen Reitweise liegen darin, daß das Westernreiten eine Arbeitsreitweise ist. Die englische Reitweise oder die Reitweise wie sie bei den Olympischen Spielen gefordert wird, leitet sich aus dem Jagdreiten und aus der europäischen militärischen Reitweise ab. Wenn man das weiß, werden auch die Unterschiede zwischen Westernreiten und "Englischreiten" schnell klar. Ein Cowboy muß bis zu 14 Stunden täglich im Sattel sitzen. Die Folge ist, daß er es bequem haben möchte. Er muß oft beide Hände frei haben, um seine Aufgaben zu erledigen. Die Folge davon ist, daß sich das Pferd mit minimalen Signalen durch Schenkeldruck oder durch die Stimme zuverlässig lenken lassen muß. Vom Pferd wird verlangt, daß es seine Kräfte einteilt, bei Bedarf mit voller Geschwindigkeit und höchster Konzentration arbeitet, und angebotene Ruhepausen sofort nutzt um sich zu erholen. Der Cowboy möchte nicht viel Kraft und Aufmerksamkeit auf die Kommunikation mit seinem Pferd verwenden, denn er hat andere Aufgaben. Deshalb ist die Westernreitweise in Jahrhunderten dahingehend optimiert, für den Reiter sehr bequem und gleichzeitig sehr sicher zu sein. Das sind ideale Eigenschaften für eine Freizeitreitweise.
Hilfengebung
Daraus folgt, daß die Hilfengebung im Westernreiten minimalistisch ist. Es wird niemals ein Druck auf das Pferd ausgeübt, denn Druck erzeugt bekanntlich Gegendruck und es wäre pure Kraftverschwendung, sich auf ein Kräftemessen mit dem Pferd einzulassen.
Mit den Schenkeln wird nicht am Pferd herumgedrückt und es wird auch nicht an den Zügeln gezogen. Stattdessen werden mit Zügeln oder mit Schenkeln Impulse gegeben. Auf den Zügeln lastet keinerlei Druck, sie sind immer leicht durchhängend. Der Reiter muß das Pferdemaul spüren können, wenn er die Hand eine Handbreit weit zurücknimmt. Dann sind die Zügel in der richtigen Länge. Die Beine des Westernreiters hängen locker senkrecht herab, ohne daß sie Kontakt zum Pferdebauch suchen. Die Fersen werden locker nach unten-außen gebracht und sie befinden sich, ganz so wie in der klassischen Reitweise, unter dem Schwerpunkt des Reiters.
Das Westernpferd hat in seiner Ausbildung gelernt, jeder impulsartigen Einwirkung auszuweichen. Deshalb folgt es willig nach rechts oder links, wenn auf den rechten bzw. linken Zügel leichte Impulse gegeben werden. Um ein ausgebildetes Westernpferd aus jeder Gangart zum Stehen zu bringen, genügt eine leichte Gewichtsverlagerung und der Zuruf "whoa!". Auf das Kommando "back up!" geht das Westernpferd rückwärts, egal ob unter dem Sattel oder an der Hand.
Die Gangarten
Vielen Menschen, die zum ersten Mal westerngerittene Pferde sehen, fällt der "Zockeltrab" auf, der sehr langsame und wenig schwungvoll aussehende Trab, bei dem die Pferde oft Hals und Kopf recht tief tragen. Diese Gangart wird "Jog" genannt und ihr Vorteil liegt darin, daß sie für Pferd und Reiter gleichermaßen bequem und kräfteschonend ist. Lange Strecken in relativ ebenem Gelände wie zum Beispiel der Prärie, können auf diese Art zurückgelegt werden. Einen flotteren Trab kennt man im Westernreiten auch, er heißt dann "Trot". Bis auf wenige Ausnahmen in der Ausbildung von jungen Pferden wird beim Westernreiten immer ausgesessen. Ein Leichttrab ist unüblich. Er würde den Cowboy in ungünstige instabile Lagen bringen, die er zum Beispiel bei der Arbeit mit Rindern, nicht riskieren kann. Wenn der Cowboy es eilig hat, reitet er keinen scharfen Trab, denn das wäre zu unbequem und nicht gut auszusitzen, sondern er reitet gleich einen leichten Galopp, den das Pferd über längere Zeit beibehalten kann. Kurzfristig kann das Westernpferd seine Geschwindigkeit enorm beschleunigen, wenn es zum Beispiel nötig ist, ein entlaufenes Rind einzuholen. Dazu gehört auch, auf Kommando sofort stehen zu bleiben, wenn das verlangt wird. Dieses Manöver heißt "stop", und wenn das Pferd dabei auf den Hinterhufen ein Stück weit rutscht, spricht man vom "sliding stop".
